Sechs DAN-Diplome in Ratzeburg

Heftiges Schneetreiben und eisiger Wind. Trotzdem machten wir uns am Samstagvormittag des 17. März zu viert als Fahrgemeinschaft nach Ratzeburg auf, um am Lehrgang von Wolfgang Hagge 7. DAN mit Basistraining für jede Altersstufe und Kids-Games  teilzunehmen. Wir Schleswiger Karateka wurden von unserem Trainer Manfred Sponberg höchstpersönlich in seinem Auto zum rund 150 km entfernten Ziel chauffiert. In unserer Mitte Nicole Grell, die sich nach einer halbjährlichen intensiven Vorbereitungszeit im Anschluss an den Lehrgang ihrer Koshinkan-Prüfung zum 1. Schwarzgurt stellen wollte, während Roland Hoeg und Ulrich Fischer nicht allein zur Fortbildung mitfuhren, sondern auch, um Nicole bei ihrem Bunkai-Part zu assistieren.

Wenn vier Sportfreunde mit zum Teil sehr langer Karate-Vorgeschichte unterwegs sind, gibt es natürlich viel zu  erzählen und fachlich auszutauschen. So verging auf der Hinfahrt unter den namentlich von den alten Hasen zum Besten gegebenen Anekdoten, die sich aus aktuellem Anlass überwiegend um Prüfungen und Prüfer drehten, die zweistündige Fahrzeit wie im Fluge.

Bevor wir mit unserer Lehrgangseinheit an der Reihe waren, konnten wir noch in aller Ruhe einen Kaffee trinken, uns umziehen und eine Viertelstunde zusehen, wie namentlich die Kinder der Anfängergruppe unter Wolfgangs elementaren Anleitungen Spaß hatten, zumal wenn er den Phasen relativ hoher Konzentrationsanforderung auflockernde Fangspiele folgen ließ. Besonders eindrucksvoll, wie dann alle willig den Karate-Ernst wieder aufnahmen, mit dem Wolfgang sie geschickt einfing.

Danach wurden wir subtil mit dem Kleinen ABC des Kumite konfrontiert. Ungewohnt für durchweg höher graduierte Lehrgangs-Teilnehmer, einige von ihnen selbst Karate-Lehrer, aber durchaus gewinnbringend, begannen wir mit einfachen Vierfach-„Trockenübungen“, die uns Wolfgang anschließend auf ein Grundlagentraining mit Partner übertragen ließ. Tatsächlich war kaum einer davon frei, etwa in Einheit mit einem Kizami-Angriff seine Schutzhand zu vernachlässigen oder nach einem Mawashi nicht situationsgerecht aus der Gefahrenzone herauszusteppen. Ulrich flog zwischendurch bei einer Aktion die Kontaktlinse aus dem rechten Auge. Während er noch suchend auf dem Hallenboden herumkroch, kam einer mit Adleraugen hinzugelaufen und fand auf Anhieb den winzigen Brillenersatz. Fast wäre Ulrichs Mission hier beendet gewesen. Die natürlich auch für unsere kleine Gruppe lohnende Unternehmung sollte aber schließlich und endlich von Nicoles Erfolg gekrönt werden.

Wer die DAN-Prüfungs-Situation kennt, weiß ein Lied von den stressigen Wartezeiten zu singen, bis man endlich zur Prüfung antreten darf. Nicole und die anderen fünf Kandidaten hatten aber insofern Glück, als ihre Prüfung parallel zu den Koshinkan-Kids-Games direkt im Anschluss an die letzte Lehrgangseinheit stattfand. Wie üblich fanden die Prüfungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Manfred durfte aufgrund seiner kürzlich erworbenen A-Lizenz als Beisitzer am Prüfertisch Platz nehmen. Roland und Ulrich nahmen wartend  jenseits der Hallen-Trennwand an dem Geschehen emotional Anteil. Dann wurden sie zum Bunkai der Kata JION nach nebenan gerufen, das Nicole trotz des Angriffsfehlers eines ihrer Assistenten unbeirrt durchzog. Zum Abschluß posierten die Prüfungsakteure für das obligatorische Gruppenfoto. Alle hatten ein gutes Gefühl und die Prüfer Rolf Lahme für Koshinkan sowie Wolfgang Hagge für Shotokan verminderten nicht diese Zuversicht. Das sollte sich nach dem gemeinsamen italienischen Abendessen im Ratzeburger Stadtzentrum bestätigen, als Wolfgang den sechs Kandidaten ihre Urkunden zur bestandenen Prüfung aushändigte. Gratulation den Ratzeburgern Sönke Martens zum 3. DAN, Thomas Jessen, Guido Klossek und Stefan Weichsel zum 2. DAN, Volker Barczynski zum 1. DAN und last but not least der Schleswigerin Nicole Grell ebenfalls zum 1. DAN! Nicht weniger Freude haben Wolfgang, wie er sagte, die strahlenden Augen der Kids gemacht, denen er nach den Games ihre Medaillen überreichte.

Auf unserer Rückfahrt wurden neben dem Ablauf der Prüfung vor allem wieder kurzweilige Geschichten über die Karate-Helden der Vergangenheit und Gegenwart fortgesetzt und über die Smartphones mit Angehörigen die karateaktuellen Ereignisse kommuniziert. Gegen Mitternacht waren schließlich alle wieder zu Hause. Wir vom Karate-Dojo IPPON Schleswig e. V.  sind natürlich besonders auf unsere Nicole stolz, die mit ihrer starken Leistung Manfreds vierte Karate-Schülerin ist, die er zur Trägerin eines DAN-Grades geführt hat.

 

Ulrich Fischer

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